Website-Wartung für Schweizer KMU: Was ein Unterhaltsvertrag 2026 wirklich kosten darf

Deine Website ist keine Küche, die einfach steht
Du hast vor drei Jahren eine neue Website bauen lassen. 12'000 Franken, sauberes Design, alles gut. Seither hat niemand mehr reingeschaut.
Das ist der Normalfall bei Schweizer KMU. Und es ist der Grund, warum wir jeden Monat Anrufe bekommen, die mit "Unsere Website ist weg" anfangen.
Der Denkfehler ist verständlich. Eine Website fühlt sich an wie eine Investition, die man einmal macht. Wie eine neue Ladeneinrichtung. Die steht dann halt da. Aber eine Website ist kein Möbelstück, sondern Software. Software, die auf einem Server läuft, mit einem Dutzend Erweiterungen von Drittanbietern, in einer Umgebung, die sich jede Woche verändert.
Software ohne Unterhalt verfällt. Nicht sichtbar, nicht sofort. Aber sie verfällt.
Was passiert, wenn drei Jahre niemand hinschaut
Reden wir nicht abstrakt. Reden wir darüber, was konkret schiefgeht.
Der Hack kommt nicht, weil du wichtig bist
Der häufigste Irrtum: "Wir sind eine Schreinerei aus Neuhausen, wer will denn unsere Website hacken?"
Niemand. Genau das ist der Punkt. Es sucht dich niemand aus. Es laufen automatisierte Scanner über Millionen von Websites und suchen nach bekannten Lücken in bekannten Plugins. Dein Formular-Plugin mit Version 4.2 hat eine dokumentierte Schwachstelle, seit acht Monaten gibt es Version 4.9. Der Scanner findet das in Millisekunden.
Rund 43 Prozent aller Websites weltweit laufen auf WordPress. Und die überwältigende Mehrheit der Sicherheitslücken steckt nicht im WordPress-Kern, sondern in Plugins und Themes – je nach Auswertung über 90 Prozent. Der Kern updatet sich mittlerweile ganz gut selber. Deine 23 Plugins nicht.
Was dann passiert, ist selten dramatisch im Sinne von "Website schwarz". Meistens schleichender: Es werden unsichtbare Links zu Casino-Seiten in deinen Footer geschrieben. Oder dein Server verschickt plötzlich Spam. Du merkst es, wenn Google dich mit einer roten Warnseite blockiert oder deine E-Mails auf Blacklists landen und der Kunde die Offerte nie erhält.
Ein Hack-Cleanup kostet in der Schweiz je nach Ausmass zwischen 800 und 3'500 Franken. Plus die Tage, in denen du nicht erreichbar bist. Plus die Wochen, die Google braucht, um dir wieder zu vertrauen.
Der Dienstagmorgen, an dem die Seite weiss ist
Zweites Szenario, unspektakulär und viel häufiger: Dein Hoster aktualisiert die PHP-Version. Muss er, weil alte Versionen keine Sicherheitsupdates mehr bekommen. Dein Theme von 2021 kommt damit nicht klar. Ergebnis: weisse Seite. Oder eine Fehlermeldung mit einem Dateipfad drin, was noch peinlicher aussieht.
Ohne Wartungsvertrag merkst du das, wenn ein Kunde anruft. Oder gar nicht, weil Kunden nicht anrufen, sondern zum Nächsten gehen.
Google merkt es vor dir
Suchmaschinen bewerten technische Signale mit. Ladezeit, mobile Bedienbarkeit, gültiges SSL-Zertifikat, keine Fehlerseiten. All das degradiert langsam, wenn niemand hinschaut. Bilder, die jemand in Originalgrösse mit 4 MB hochgeladen hat. Ein Zertifikat, das automatisch erneuert werden sollte, aber seit zwei Monaten scheitert. Interne Links auf gelöschte Seiten.
Kein einzelner Punkt bringt dich um. Aber nach zwei Jahren ohne Unterhalt bist du in den Suchergebnissen zwei Plätze weiter hinten, und niemand kann dir sagen, warum.
Was in einem Wartungsvertrag drinstehen muss
Hier wird es interessant, weil "Wartung" auf Offerten fast alles und fast nichts bedeuten kann. Ich habe Verträge gesehen, bei denen für 180 Franken im Monat exakt ein automatisiertes Backup lief, das niemand je getestet hat.
Das sind die Punkte, die ein Vertrag konkret benennen muss. Wenn einer fehlt, frag nach.
Updates mit Testschritt, nicht auf Zuruf
Nicht "wir aktualisieren regelmässig", sondern: Wie oft? Monatlich ist das Minimum, zweiwöchentlich ist gut. Und – das ist der Teil, den billige Anbieter weglassen – wird nach dem Update geprüft, ob die Seite noch funktioniert?
Ein Plugin-Update, das ungeprüft durchläuft, kann dein Kontaktformular zerschiessen. Dann sammelt deine Website vier Wochen lang keine Anfragen mehr, und du denkst, der Markt sei ruhig.
Sauberer Ablauf: Update auf einer Staging-Kopie, Klick durch die wichtigsten Seiten, Testformular abschicken, dann live. Das kostet Zeit, und dafür bezahlst du.
Backups, die jemand wiederhergestellt hat
Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung. Frag deinen Anbieter zwei Dinge: Wo liegen die Backups – und liegen sie getrennt vom Webserver? Wann wurde das letzte Mal eine Wiederherstellung getestet?
Wenn Backups auf dem gleichen Server liegen wie die Website, sind sie beim Hack mit weg. Wenn der Anbieter bei "letzter Restore-Test" ins Stocken kommt, weisst du genug.
Praxisnah: täglich, mindestens 30 Tage rückwärts, extern gelagert, ein dokumentierter Testrestore pro Jahr.
Monitoring mit einer Zahl dahinter
"Wir überwachen die Verfügbarkeit" heisst wenig. Interessant ist: In welchem Intervall wird geprüft, wer wird alarmiert, und innert welcher Zeit reagiert jemand?
Realistisch für ein KMU: Prüfung alle fünf Minuten, Alarm an eine Person, Reaktion innert vier Stunden an Werktagen. Wer dir 24/7 mit einer Stunde Reaktionszeit verspricht, verlangt zu Recht deutlich mehr Geld – und du brauchst das nur, wenn die Website direkt Umsatz macht.
Sicherheit, die über ein Plugin hinausgeht
Firewall vor der Seite, Login-Absicherung mit Zwei-Faktor, Sperre nach zu vielen Fehlversuchen, regelmässiger Malware-Scan. Und ein Punkt, den fast alle vergessen: Benutzerkonten aufräumen. Der Praktikant von 2023 hat wahrscheinlich noch Administratorrechte. Sein Passwort ist wahrscheinlich in einem Datenleck.
Ein Stundenkontingent, das du wirklich nutzen kannst
Das ist der Teil, der einen Wartungsvertrag von einer Versicherung zu etwas Nützlichem macht. Ein bis zwei Stunden im Monat für kleine Änderungen: neuer Mitarbeiter im Team, aktualisierte Preisliste, ein Referenzprojekt einpflegen, Öffnungszeiten über Weihnachten.
Ohne Kontingent schreibst du für jede Kleinigkeit eine Mail, bekommst eine Offerte über 240 Franken und lässt es. Und deine Website veraltet inhaltlich, während sie technisch top ist. Das ist auch nicht das Ziel.
Frag nach, ob nicht genutzte Stunden verfallen. Übertrag auf den nächsten Monat ist branchenübliche Kulanz, drei Monate Ansparzeit ist fair.
Ein Report, den du in zwei Minuten liest
Einmal im Monat oder im Quartal: Was wurde aktualisiert, gab es Ausfälle, wie viele Besucher, was ist aufgefallen. Eine Seite, keine 14-seitige Datenwüste aus einem Tool.
Der Report ist auch dein Beleg, dass überhaupt etwas passiert. Ohne ihn bezahlst du für ein Versprechen.
Was das 2026 kosten darf
Jetzt die Zahlen. Basis: Schweizer Stundensätze für Webentwicklung liegen aktuell bei 120 bis 190 Franken, bei grösseren Agenturen auch darüber. Rechne mit rund 150 Franken als Mittelwert. Alles, was ein Anbieter monatlich macht, muss aus diesem Satz gedeckt sein – sonst zahlst du für Luft oder er arbeitet nicht.
Stufe 1: Grundabsicherung – CHF 60 bis 120 im Monat
Für die klassische Firmen-Website mit 5 bis 15 Seiten, ohne Shop, ohne Login-Bereich.
Drin: monatliche Updates mit Kurzcheck, tägliche externe Backups, Uptime-Monitoring, SSL-Verwaltung, Malware-Scan, kurzer Report. Kein oder ein sehr kleines Stundenkontingent.
Das ist eine Versicherung, keine Betreuung. Für den Verein, das Restaurant, die Praxis mit vier Seiten völlig ausreichend. Unter 50 Franken im Monat wird es unrealistisch: Da bleiben nach Tool-Kosten keine 20 Minuten Arbeitszeit übrig.
Stufe 2: Der KMU-Standard – CHF 150 bis 300 im Monat
Für die Website, die tatsächlich Anfragen bringt. 15 bis 50 Seiten, Formulare, vielleicht ein Blog, Google-Business-Anbindung.
Drin: alles aus Stufe 1, aber zweiwöchentliche Updates auf Staging getestet, ein bis zwei Stunden Änderungskontingent, Performance-Check pro Quartal, definierte Reaktionszeit, ein Ansprechpartner mit Namen.
Hier landen die meisten Schaffhauser und Zürcher KMU, mit denen wir arbeiten. Und hier rechnet sich der Vertrag am deutlichsten, weil das Stundenkontingent Arbeit ersetzt, die du sonst selber machst oder eben nicht machst.
Stufe 3: Shop, mehrsprachig, Schnittstellen – CHF 350 bis 800 im Monat
Sobald über die Website Geld reinkommt oder Daten fliessen, ändert sich die Rechnung komplett. Onlineshop mit Zahlungsanbindung, Anbindung an Abacus oder Bexio, drei Sprachen, Kundenlogin.
Drin: wöchentliche Updates, Staging als Pflicht, Monitoring der Checkout-Strecke (nicht nur der Startseite), 3 bis 5 Stunden Kontingent, kurze Reaktionszeiten inklusive Wochenende.
Wenn dein Shop 40'000 Franken Umsatz im Monat macht, sind 600 Franken Unterhalt 1,5 Prozent. Ein Ausfall am Black Friday kostet mehr als das Jahresabo.
Wo es unseriös wird
Nach oben: über 1'000 Franken monatlich für eine normale KMU-Website ohne Shop und ohne Schnittstellen. Da wird oft Marketing-Betreuung als "Wartung" verkauft. Kann sinnvoll sein – dann soll es aber getrennt auf der Offerte stehen.
Nach unten: 19 Franken im Monat "inklusive Wartung und Hosting". Das ist Hosting plus ein automatisiertes Update-Skript. Wenn etwas kaputtgeht, schaut niemand hin.
Die Rechnung, die kaum jemand macht
Rechnen wir es einmal durch, für ein KMU mit einer Website, die im Monat rund 15 Anfragen generiert. Durchschnittlicher Auftragswert 4'000 Franken, Abschlussquote ein Drittel. Macht 20'000 Franken Umsatz im Monat über die Website.
Ein Ausfall von drei Tagen kostet dich rechnerisch rund 2'000 Franken – ohne die Kunden, die nie zurückkommen. Ein Hack mit Cleanup, Ranking-Verlust über sechs Wochen und internem Aufwand: leicht 6'000 bis 10'000.
Ein Stufe-2-Vertrag über zwei Jahre: rund 5'000 Franken.
Ich behaupte nicht, dass ohne Vertrag garantiert etwas passiert. Ich sage: Der Vertrag kostet weniger als ein einzelner mittlerer Zwischenfall. Und du bekommst zusätzlich jeden Monat Arbeitszeit für Änderungen, die du sonst gar nicht machst.
Der zweite Effekt ist der unterschätzte. Websites mit Wartungsvertrag werden gepflegt, weil der Kanal offen ist. Websites ohne verrotten inhaltlich, weil jede Änderung eine Verhandlung ist.
Fünf Sätze, bei denen du nachfragen solltest
"Wartung ist bei uns inklusive." Dann steht sie nicht im Vertrag und hat keinen Umfang. Inklusive heisst hier: nach Verfügbarkeit und Laune.
"Wir machen automatische Updates." Automatisch heisst ungeprüft. Frag, wer schaut, ob die Seite danach noch läuft.
"Backups laufen täglich." Wohin? Und wann wurde das letzte Mal eines zurückgespielt?
"Mindestlaufzeit 36 Monate." Für Wartung ist das nicht nötig. 12 Monate mit dreimonatiger Kündigung ist branchenüblich und fair.
"Die Zugänge verwalten wir." Gefährlich. Domain, Hosting und CMS-Administrator müssen auf dich lauten, mit dir als Eigentümer. Der Anbieter arbeitet mit eigenen Konten. Wenn du morgen wechseln willst, muss das ohne Bittstellerei gehen.
Was du diese Woche in zwanzig Minuten prüfen kannst
Bevor du überhaupt eine Offerte einholst, mach diesen Kurzcheck.
Log dich ins Backend ein. Steht oben eine Zahl mit verfügbaren Updates? Wie hoch? Über 15 heisst: seit über einem Jahr niemand da.
Schau unter Benutzer. Wie viele Administratoren gibt es, und kennst du alle?
Öffne deine Website im Handy, füll das Kontaktformular aus und schick es ab. Kommt die Mail an? Im Posteingang oder im Spam? Du wärst nicht der erste, bei dem sie seit Monaten nirgends ankommt.
Gib deine Domain bei PageSpeed Insights ein. Unter 50 im Mobile-Wert heisst: Es gibt technische Schulden.
Frag deinen aktuellen Anbieter schriftlich, wann das letzte Update gemacht wurde. Die Antwort – oder das Ausbleiben – sagt dir, ob du hier weitermachen willst.
Wenn du wissen willst, wo du stehst
Wir schauen uns deine Website an und sagen dir, was Sache ist. Update-Stand, Sicherheitslücken, Backup-Situation, Ladezeit, offene Baustellen. Konkret, mit Prioritäten, ohne Verkaufsgespräch mit Countdown.
Danach entscheidest du, ob du das selber angehst, bei deinem bisherigen Partner nachhakst oder es uns übergibst. Alle drei Varianten sind uns recht – nur weiterlaufen lassen und hoffen ist keine.
Wir sitzen in Schaffhausen, betreuen Websites für KMU in der ganzen Deutschschweiz und reden Deutsch statt Fachchinesisch.
Melde dich auf webtree.ch – kurze Nachricht mit deiner Domain genügt.


